Trient / Trento

Eine zeitgenössische Darstellung des Trienter Konzils von Titian aus dem Jahr 1555. Quelle: Wikimedia Commons
Eine zeitgenössische Darstellung des Trienter Konzils von Titian aus dem Jahr 1555.

von Urszula Pękala

Inhaltsverzeichnis

1 Das Konzil von Trient (Konstellationen)
2 Reformation, Gegenreformation, Kirchenreform (Differenzen)
3 Modern oder Konservativ? (Bedeutungen)
4 Weiterführende Literatur
5 Zitierempfehlung

Das Konzil von Trient (Konstellationen)

Mitte des 16. Jahrhunderts tagte in dem kleinen – damals ca. 6000 Einwohner – italienischen Städtchen Trient (it. Trento) ein Konzil, das für die nächsten vier Jahrhunderte Weichen für die Entwicklung der katholischen Kirche und für ihr Verhältnis zum Protestantismus stellte. Dieses Konzil, als „Konzil von Trient“ oder unter seinem lateinischen Namen „Tridentinum“ bekannt, hielt insgesamt 25 Sitzungen in drei Sitzungsperioden (1545–1549, 1551–1552, 1562–1563) ab. Seine Beschlüsse wurden von Papst Pius IV. 1564 mit der Bulle „Benedictus Deus“ bestätigt und betrafen Glaubensfragen sowie die Reform der Kirche. Obwohl die Beschlüsse des Konzils nur für Katholiken verbindlich sind, geht seine Bedeutung bis heute über den Bereich der katholischen Kirche hinaus.

Konzile markieren Krisenzeiten. Sie finden gewöhnlich dann statt, wenn sich die Kirche zum Überdenken der eigenen Mission und Glaubenslehre sowie zu einer neuen Selbstverortung in der Welt gezwungen sieht. Somit behandeln diese Versammlungen der Bischöfe mit dem Papst (oder seinen Vertretern, Legaten genannt) innere Angelegenheiten der Kirche, die in engem Zusammenhang mit den jeweiligen zeitgenössischen Entwicklungen in der Gesellschaft und der Politik stehen.

Im Falle des Konzils von Trient war die Verflechtung von religiösen und politischen Faktoren sehr deutlich. Das Konzil kam vor allem wegen der Beharrlichkeit des deutschen Kaisers Karl V. zustande, der nach einer angemessenen Auseinandersetzung mit der Reformation suchte. Durch den Übergang vieler deutscher Fürsten zur Reformation sah er nämlich in seinem Reich gefährliche Spaltungen entstehen. Nachdem Bemühungen, einen Kompromiss mit der neuen Strömung des Christentums zunächst innerhalb des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation zu finden, unter anderem auf dem Reichstag in Nürnberg (1524) und in den Religionsgesprächen von Hagenau, Worms und Regensburg (1540–1541), fehlgeschlagen waren, suchte der Kaiser nach einer Lösung, die die Autorität der ganzen katholischen Kirche involvieren würde.

Der Weg zur Berufung des Konzils war jedoch lang. Zunächst stand der Papst Clemens VIII. dieser Idee skeptisch gegenüber, denn 100 Jahre zuvor hatte ein anderes Konzil (von Basel-Ferrara-Florenz 1431–1445) zum gravierenden Konflikt zwischen dem Papst und den Bischöfen geführt. Der politische Hauptkonkurrent Karls V., der französische König Franz I., unterstützte die päpstliche Linie, weil die religiöse Spaltung in Deutschland das Land auch politisch schwächte, was Frankreich Vorteile verschaffte. Erst Paul III., der nächste Papst, berief das Konzil 1536 nach Mantua. Wegen des inzwischen tobenden habsburgisch-französischen Krieges wurde dieses jedoch erst beim vierten Anlauf am 31. Dezember 1545 in Trient eröffnet.

Als ein Unionskonzil, auf dem man mit den Protestanten zu einer Übereinkunft kommen würde, was manche noch gehofft hatten, scheiterte das Tridentinum vollkommen. Stattdessen wurde es zum Konzil, das die fundamentale Differenz zwischen Katholizismus und Protestantismus markierte und gleichzeitig eine grundlegende Veränderung innerhalb der katholischen Kirche selbst einleitete.

Reformation, Gegenreformation, Kirchenreform (Differenzen)

Das Tridentinum brachte zwei Formen der Differenzierung zur Geltung. Die erste Form stellt die Gegenreformation dar, die als eine Differenzierung nach außen bezeichnet werden kann – in erster Linie als Abgrenzung vom Protestantismus. Diese Abgrenzung erfolgte zunächst im Bereich der theologischen Lehre über drei Themenbereiche: Erbsünde und Rechtfertigung, Schrift und Tradition sowie Sakramente. Die Theologie des Konzils schlug sich in den kommenden Jahrzehnten in der Struktur und Organisation der Kirche nieder, wodurch die Unterschiede zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus noch deutlicher markiert wurden.

Die zweite Form der Differenzierung stellt die Katholische Reform dar. Sie kann als eine Differenzierung nach innen in dreifacher Form aufgefasst werden. Sie zog nämlich, erstens, Veränderungen in der bisherigen Organisation und Lebenspraxis der Kirche nach sich. Es handelte es sich um Maßnahmen, die Missstände in unterschiedlichen Bereichen der katholischen Kirche beheben sollten. Unter anderem wurden die Liturgie reformiert, Priesterseminare gegründet, die Disziplin im Leben der Geistlichen verschärft und die Bischöfe zur Residenz in ihren Diözesen verpflichtet. Dafür wurde der kirchliche Rechtskodex in 250 Punkten geändert. Zweitens führte die Reform zu Spannungen unter den Konzilsvätern selbst. Diese galten vor allem der Frage, wie die Macht der Bischöfe und des Konzils zur Macht des Papstes stand. Drittens zeichneten sich in den Jahrzehnten nach dem Konzil Unterschiede darin ab, wie die Reform unter konkreten politischen und gesellschaftlichen Bedingungen weltweit umgesetzt wurde.

Die beiden Formen der Differenzierung – nach innen und nach außen – überschnitten sich. Aus der katholischen Sicht führte die Notwendigkeit einer Differenzierung nach außen, also in Abgrenzung vom Protestantismus, dazu, dass man sich auf dem Konzil von Trient in inneren strittigen Angelegenheiten einigen musste. Somit erwiesen sich die beiden Formen der Differenzierung für die katholische Kirche als identitätsstiftend – negativ aufgefasst als Betonung der Unterschiede zum Protestantismus und positiv aufgefasst als Besinnung darauf, wie die Kirche in der neuen Situation der konfessionellen Pluralisierung funktionieren sollte.

Modern oder Konservativ? (Bedeutungen)

Die geschichtliche Relevanz des Tridentinums wird bis heute ambivalent eingeschätzt. Vor dem Hintergrund der politisch-gesellschaftlichen Prozesse des 16. Jahrhunderts stellte dieses Konzil eine weitgehende Modernisierung der Kirche dar. Es hatte langfristige Folgen für die Entwicklung der katholischen Bildung und Kunst sowie der Mission in Übersee. Gleichzeitig knüpfte es – vor allem in der Theologie – an das Mittelalter an. Für manche Katholiken bleibt Trient heute ein Synonym des Konservatismus und Antiökumenismus, für andere hingegen stellt es eine bis heute wirkmächtige Grundlage für eine Erneuerung des kirchlichen Lebens dar. Obwohl das Konzil von Trient 450 Jahre zurückliegt, dient es weiterhin als ein Bezugspunkt für die Selbstdefinition der Strömungen innerhalb des Katholizismus und birgt offenbar Potenzial, auch künftig neue Differenzen hervorzubringen.

weiterführende Literatur

Klaus Ganzer, Das Konzil von Trient, ein Wendepunkt für die Kirche der Neuzeit?, in: Würzburger Diözesanblätter 77 (2014), S. 15–25.

Hubert Jedin, Glaubensspaltung und Trienter Konzil, in: Ders., Kleine Konziliengeschichte, Freiburg u.a. 1978, S. 81–103.

Peter Meinhold, Die beiden Konzile der römisch-katholischen Kirche in der Neuzeit (Tridentinum und Vatikanum), in: Ders., Konzile der Kirche in evangelischer Sicht, Stuttgart 1962, S. 142–186.

Peter Walter, Günther Wassilowsky (Hg.), Das Konzil von Trient und die katholische Konfessionskultur (1563–2013), Münster 2016.

Günther Wassilowsky, Trient, in: Christoph Markschies, Hubert Wolf (Hg.), Erinnerungsorte des Christentums, München 2010, S. 395–412.

Zitierempfehlung

Urszula Pękala, Trient / Trento, in: Ortstermine. Umgang mit Differenz in Europa, hg. für das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) v. Joachim Berger, Irene Dingel und Johannes Paulmann, Mainz 2016. URL: http://www.ieg-differences.eu/ortstermine/urszula-pekala-trient, URN: urn:nbn:de:0159-20161020423.

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Abbildungsnachweis

Wikimedia Commons – gemeinfrei